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Wie alles begann... - "Samaria-Schlucht" - Draussentyp auf Kreta

26.07.2017

Samaria Schlucht


„Och joa, mal ein bisschen Natur und Bewegung. Klingt doch eigentlich ganz interessant. Außerdem ist es eine der längsten Schluchten Europas.“ So stand ich am Touristen-Stand in Georgioupolis. Das Codewort war „längste Schlucht“ – mein Ehrgeiz wurde also geweckt. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich allerdings noch keinerlei Wander-Erfahrung. Das heißt, ich hatte nicht mal annähernd ausreichendes Schuhwerk oder Ähnliches.


Man könnte sagen, die Samaria-Schlucht ist für Europa das, was der Grand Canyon für Amerika ist. Sie führt aus ca. 1260 m Höhe mit ca. 16 km Länge fast von der Mitte der Insel bis zum Libyschen Meer in das Dorf Agia Roumeli. An ihrer schmalsten Stelle ist die Schlucht gerade mal 3 m breit und teilweise bis zu 300 m hoch. Kurzum: Beeindruckend.



Die Tour war gebucht, die folgende Nacht kurz und der Morgen sehr früh, als der Bus mich vor dem Hotel einsammelte und zum Ausgangspunkt transportierte. Dieser lag ca. 1.260 m hoch in Xyloskalo. Der Name "Xyloskalo" bedeutet "hölzerne Treppe", was aber nicht ganz passt, denn der Weg führte über einen steinigen Weg, der sich mit einem Holzgeländer steil nach unten wandte.


Nach nicht ganz 2 Kilometern, in denen schon einige Höhenmeter hinter mir lagen, kam ich beim ersten Rastplatz und der Quelle „Neroutsiko“ an. Diese lag im Schatten großer Bäume und bot sich für eine erste kurze Pause an. Von hier an war der Abstieg etwas weniger steil, bis ich schließlich die Talsohle und anschließend den Rastplatz „Agios Nikolaos“ erreichte. Dort gab es Trinkwasser aus Brunnen sowie Toiletten. An diesem antiken Ort stand außerdem einst ein Apollo-Tempel und die Zypressen dort sollen schon über 2000 Jahre alt sein.



Von Agios Nikolaos nach Samaria überquerte ich den Fluss mehrere Male und passierte zwei Quellen, an denen die Wasserflaschen mit kühlem Wasser aus den Brunnen aufgefüllt werden konnten. Nach einiger Zeit erreichte ich dann das größtenteils zerfallene Dorf Samaria über eine Holzbrücke. Samaria war der Haupt-Rastplatz. Hier gab es Schatten, Bänke, Wasser, einen Wachposten und eine Sanitätsstation. Mit etwas Glück hätte man dort auch die "Krikris", die kretischen Wildziegen, entdecken können. Sie sind an Menschen gewöhnt und daher nicht scheu. Ich hatte allerdings kein Glück oder habe nicht gründlich genug gesucht. Es war nämlich ein sehr heißer Tag, ich war nicht gerade auf einem guten Fitnesslevel und dementsprechend schon etwas erschöpft und unmotiviert nach Ziegen zu suchen. Sorry.


Eine knappe halbe Stunde später machte ich mich auf den Weg zurück zum Flussbett, welches der eigentliche Beginn der Schlucht war. Hier passierte ich ein Schild auf dem klare Warnungen verdeutlicht wurden - "Achtung Steinschlag – Walk fast.". Die Gefahr durch fallende Steine (aus mehreren 100 m Höhe) ist dort sehr real, vor allem wenn in den Bergen ein starker Wind weht oder es kürzlich geregnet hatte. Man sollte also nicht unbedingt unter Steilwänden rasten und auch nicht die Wildziegen durch lautes Rufen aufscheuchen. An der Stelle: Bitte brüllt sowieso keine Ziegen an – eigentlich gar keine Tiere.


In der nächsten Stunde lief ich vor allem im Flussbett und überquerte das Wasser mehrmals auf Steinen oder improvisierten Brücken. Die steilen Felswände ragten links und rechts scheinbar endlos hinauf. Dies war zweifelsohne ein sehr beeindruckender Teil der Wanderung. Hier wurde ich erstmals ganz bewusst darauf aufmerksam, wie unglaublich unbrauchbar meine alten, ausgelatschten Sneaker für eine solche Tour waren. Natürlich taten mir seit geraumer Zeit die Fußsohlen weh – darüber konnte ich noch hinweg sehen, aber jetzt bekam ich auch noch nasse Füße und es wurde eine wirklich rutschige Angelegenheit auf den nassen Felsen.


Bei Kilometer 11 erreichte ich endlich die schattige Lichtung „Christos“, wo sich die letzte Quelle zum Nachfüllen der Wasserflaschen befand. Zweckentfremdend gönnte ich meinem, mit einem wunderschönen Touristen-Strohhut geschützten, überhitzten Kopf eine kleine Abkühlung. Anschließend passierte ich die 'eisernen Pforten', die berühmte und mit knapp 3 m Breite schmalste Schluchtstelle. Hier kamen mir einige Wanderer entgegen, welche nicht die Schlucht vollständig von oben nach unten durchwandern wollten, sondern mit dem Schiff nach Agia Roumeli gefahren waren, um lediglich den vermeintlichen Höhepunkt der Schlucht zu besichtigen.


Nach der Pforte wurde die Schlucht schnell wieder breiter und nach weiteren 2 km erreichte ich den Ausgang, an dem ich zur Kontrolle einen Kartenabschnitt abgegeben musste. Auf der anderen Seite des Kontrollhäuschen gab es dann auch gleich eine erste schattige Taverne. Hieran verschwendete ich allerdings gar keinen Gedanken, denn ich musste ja die Fähre erwischen und wer wusste schon, wie weit das noch bis zum Hafen war.



Auf dem asphaltierten Weg bleibend erreichte und passierte ich das „alte Dorf“ Agia Roumeli. Es wurde in den 50er Jahren durch eine Flutwelle zerstört und bestand hauptsächlich aus verfallenen Häusern. Nach kurzer Zeit kam ich dann im neuen Agia Roumeli an. Hier warteten die vielen Tavernen bereits auf erschöpfte und durstige Wandersleute wie mich. Außerdem gab es einem kleinen Strand direkt am Hafen, für den ich allerdings, wie schon für die Wanderung, leider falsch gekleidet war. Vom Hafen aus verließ ich dann gegen 17 Uhr die Schlucht mit dem Schiff in Richtung Chora Sfakia, wo mein Bus zurück nach Georgioupolis bereits wartete.


Ein Fazit: Bekleidung – vor allem gutes Schuhwerk! – ist immer wichtig. Also wirklich wichtig! Für mich war die Durchquerung der Samaria-Schlucht der Einstieg ins Wandern. Zum Glück habe ich mich von der Draussensein-Faszination anstecken und mich nicht von meinen schmerzenden Füßen und Beinen abschrecken lassen.

Tipp: Die Wanderung ist an sich schon ein Tipp, wenn ihr auf Kreta seid. Mein Fitnesszustand zu dem Zeitpunkt damals war unterer Durchschnitt. Meine Ausrüstung (Schuhe/Kleidung) war auf Touri-Level. Also lasst euch nicht davon abhalten, die Schlucht zu Erwandern und zu genießen! Ach und wenn ihr die Fähre verpasst, müsst ihr entweder in Agia Roumeli übernachten oder zurück laufen. Ich empfehle euch einfach die Fähre zu bekommen.

Für mich sollte es im darauf folgenden Urlaub auch wieder in die Natur gehen. Die Nationalparks von Amerika reizten mich nämlich sehr.

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