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erste "Bergtour" - "Penyal des Migdia" - Draussentyp auf Mallorca

27.09.2019

Penyal des Migdia (1.398 m)

„Urlaub? Nach Malle? Ballermann oder was? Ordentlich Party machen, genau das brauchst du jetzt auch. Wie? Wandern? Auf Mallorca Wandern? Aha.“


Ja genau, auf Mallorca, besser gesagt im Tramontana-Gebirge, kann man wandern – und das sogar richtig gut! Auch wenn die Leute, denen ich von meinem Vorhaben erzählte, es zu Anfang nicht glauben wollten. Ich glaube so wirklich überzeugt davon, dass ich doch nicht einfach nur zum Party machen hingeflogen bin, waren ein paar wenige auch erst, als ich die ersten Bilder aus der Natur nach hause schickte.


Im Vorfeld hatte ich mich schon ein wenig eingelesen. Ich war zwar schon viel hier zu hause, in der Eifel unterwegs, aber auf Mallorca wollte ich unter anderem ja auch einen Berg besteigen (als Vorbereitung auf Südtirol) – und damit kannte ich mich noch garnicht aus. Weil ich aber auch nicht die typischen „Touristen-Wanderungen“ gehen wollte, suchte ich nach unbekannteren Touren. Eine davon war die, auf den höchsten, ersteigbaren Gipfel Mallorcas. Mich hatte die Strecke natürlich schon mit dem Schlagwort „höchster“ überzeugt. Mit der heruntergeladenen GPS-Route fühlte ich mich schon bestens vorbereitet.

Also ging es gleich am ersten Tag los. Das Auto parkt man kurz vor dem Kilometer-Stein 38 von der MA10 zwischen Soller und Pollenca. Weil ich von Soller aus losgefahren war, musste ich ein Stück an der MA10 entlang zurück laufen, bis ich über einen Schotterweg in den Wald einbog. Nach einem kurzen Stück erreichte ich ein erstes Gatter. Zwar hingen diverse Schilder daran, aber keines deutete darauf hin, dass ich mich hier nicht aufhalten dürfe. Also umging ich das Tor und setzte meinen Weg fort, nur um wenig später am nächsten Gatter zu stoppen. Hier konnte ich irgendwas von „Jagd“, bzw. „Schießen“ entziffern, was mich ein wenig beunruhigte. Außerdem stand ein Geländewagen direkt hinter dem Tor geparkt. Ich, als gesetzestreuer Bürger habe ungefähr 3 Minuten mit mir gehadert. Das Tor war abgeschlossen, also müsste ich mir einen anderen Weg suchen. Abseits der Straße konnte ich dann eine Art Übersteighilfe ausmachen. Auch wenn sie keinen wirklich offiziellen Eindruck bei mir hinterließ, nutzte ich sie und folgte dem Schotterweg weiter. Ich war schließlich extra bis hier her gefahren. Da wollte ich mich nicht von einem Tor frühzeitig zum Beenden bringen lassen.


Linksseitig, etwas ab von der Straße, lag die Quellfassung (Sa Fonteta) und ich stieg die ersten Höhenmeter durch die Serpentinen zu einem Sattel (Coll des Cards Colers - 903m) auf. Links, etwas abseits auf einer großen Wiese, stand ein Metallkreuz. Vereinzelte Ziegen liefen ebenfalls auf der Ebene herum. Ich folgte der Schotterstraße etwa 400m leicht abwärts, bis linksseitig eine ebene Fläche erreichte. Hier bot sich ein wunderschöner Ausblick in Richtung Meer. Allerdings war dies auch der Punkt, an dem die Wanderung anfing, einiges an Fantasie zu benötigen. Ich verließ den gut ausgebauten Schotterweg ins hohe Dissgras (hatte ich schon erwähnt, dass ich eine kurze Hose trug?) Glücklicherweise hatte ich mein Outdoor-Navi dabei, denn die Steinmännchen in dem hohen Gras zu finden, war wirklich schwer. Das hatte ich jetzt von meinem „Geheimtipp“. Kleine, wahrscheinlich wochen- oder monatelang nicht begangene Pfade mit Gräsern, die mir immer mehr die Beine zerschnitten. Super.


Die Route führte mich immer weiter durch den „Dschungel“ in Richtung der als Anhaltspunkt dienenden Radarkuppel des Puig Major, bis ich eine breite Schotterhalde durchschreiten musste, die vom Kammverlauf des Penyal des Migdia herabzog. Nach einer Steilstufe, die ich auf der rechten Talseite überwinden musste (leichte Kletterei), konnte ich oberhalb dieser in die Talmitte queren. Von hier aus gab es kaum noch Steinmänner und ich stieg weglos in Richtung des sichtbaren Sattel des Kammverlaufes auf. Das Ganze klingt hier niedergeschrieben allerdings einfacher, als es das für mich vor Ort war. Gerne möchte ich an dieser Stelle noch einmal erwähnen, dass es sich hierbei um meine ersten Berührungspunkte mit einem Berg handelten. Dem Umstand geschuldet, dass es in diesem Bereich des Trails keine Pfade oder gar Wege mehr gab, beging ich natürlich den ein oder anderen „Fehler“. Oft suchte ich den direkten Weg hinauf, anstatt mich den Anstieg „hochzuschlängeln“. Außerdem verließ ich mich die ganze Zeit über auf den GPS-Track, weshalb mir manchmal das Auge für eine bessere Wegfindung fehlte.


Kurzum: Den Sattel erreichte ich zwar, doch meine Körner waren alle aufgebraucht.



Die Sonne knallte vom Himmel, die Beine waren schwer und vom Dissgras zerschnitten. So stand ich oben am Puig des Migdia, war allerdings immernoch nicht am Gipfel angelangt. Vor mir lag der Gratrücken, über den ich musste, um zum einen den höchsten Punkt zu erreichen, zum anderen war der Abstiegsweg um einiges kürzer und wie ich mir erhoffte, auch leichter. Ich steckte also in einer Zwickmühle. Nach kurzer Rast, während der ich durchgehend Abwägungen traf, traf ich eine Entscheidung. Diesen schmalen Steig zum Gipfel traute ich mir nicht mehr zu. Die Angst abzustürzen war zu groß. Ich fühlte mich dafür einfach viel zu erschöpft. Vor dem Abstieg und dem Rückweg graute es mir zwar auch, aber ich redete mir ein, so wenigstens schon zu wissen, was auf mich zu kommt – auch wenn sich das irgendwie negativer anfühlte, als ich es gerne wollte.

Der Weg zurück verlangte einiges an Konzentration und Achtsamkeit von mir ab. Das zuvor überquerte Schotterfeld wurde von mir, wie auf einem Surfbrett heruntergerutscht. Ich wollte einfach nur wieder zurück zum Auto. Bald erreichte ich wieder die Waldgrenze und suchte mir dann schnellstmöglich einen größeren Weg, was zwar etwas Mehrstrecke bedeutete, mich aber vor den alles zerfleischenden Gräsern bewahren sollte. Eine solche Schotterstraße war glücklicherweise recht schnell gefunden und mir fiel einige Last von den Schultern, während ich den Weg zum Ausgangspunkt zurück beging.


Die Enttäuschung über das vorzeitige Beenden der Tour kam dann erst, als ich wieder in meiner Unterkunft angekommen war. Trotzdem war ich stolz, so vernünftig gehandelt zu haben. Für die kommenden beiden Wanderungen entschied ich mich allerdings, auf „Geheimtipps“ zu verzichten.


Ein Fazit: Absolut abenteuerlicher Weg, den ich mit heutigem Wissen gerne noch einmal begehen würde. 

Tipp: „Einheimischer Geheimtipp“ könnte bedeuten „Achtung: Hier war lange keiner mehr unterwegs und ohne Erfahrung solltet ihr sowas eh nicht machen“. Also hört besser nur auf meine Tipps. Zum Beispiel für Bergbesteigungen in Südtirol.


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