• Daniel Niessen

Herrentour 2021 - über die Vennbahn von Aachen nach Luxemburg (und zurück) - Tag 2

29.07.21 - 01.08.21

4 Etappen - 300km - Ein Ziel: Spaß


Tag 1, Donnerstag, Monschau nach Troisvierges


Der zweite Tag startete für mich quasi gleich zwei Mal. Kennt ihr das? Diese innere Uhr? Zuhause stehe ich meistens um kurz vor 6 Uhr auf und genau das „Problem“ habe ich dann oft auch auf Reisen. Um 6 Uhr morgens war ich also das erste Mal wach, musste Austreten, habe versucht kurz meine Umgebung im Hellen wahrzunehmen und mich dann wieder hingelegt. Das zweite Mal bin ich gegen halb 9 Uhr wach geworden und habe entschieden nun den Tag wirklich zu beginnen. Vor allem, weil nur wenige Minuten später auch Svens Wecker in seinem Zelt ertönte.


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Morgenroutine auf der Herrentour: Sich strecken, Augen reiben, ächzen, Gelenke alle bewegen und schauen wo man überhaupt ist. Dann Kaffee mit der stylischen Mokkakanne* auf dem Campingkocher* machen, genießen, sich gegenseitig die Beschwerden der Nacht mitteilen und anschließend Morgentoilette. Nach der Wiederankunft am Zeltlager wird dann schonmal langsam damit begonnen, alles zusammen zu packen. Im Anschluss wird gefrühstückt – Brot, Rührei, Käse und Schinken. Eine der Annehmlichkeiten von Svens Fahrradanhänger*, mit dem man all das problemlos transportieren kann. Bevor man sich wieder auf den Sattel schwingt, geht man noch kurz Duschen und sich frisch machen. Zumindest wenn man die Duschzeiten auf dem Platz Camping Perlenau beachtet. Da wird nämlich in der Zeit von 12 – 16 Uhr gereinigt – und nicht geduscht. Schlecht für Sven, denn der hat den Zeitraum irgendwie verpasst. Klingt jetzt alles nach einem sehr merkwürdigen Tutorial. Nachahmung ist allerdings nur bedingt empfehlenswert.


Kurz vor der Abfahrt brach allerdings nochmal kurz ein bisschen „Panik“ aus. Der Strom war weg. Oh man. Haben die Räder überhaupt geladen? Müssen wir (also eigentlich nur Sven) jetzt wieder mit purer Manneskraft in die Pedale treten? Glücklicherweise war nur die Sicherung am Stromkasten herausgesprungen. Die Räder hatten die Nacht über laden können. Schuld? Wer weiß schon wer oder was schuld daran war. Hätte alles sein können. Beispielsweise ein defektes Ladegerät für die Akkus von Svens Dampfgerät. Ein sehr weit hergeholtes Beispiel, ich weiß. Nochmal eine halbe Stunde Strom gezogen und los ging’s.

Das tolle am Vennbahnweg ist, dass man meine eigens zusammengestellten Etappen eigentlich gar nicht braucht (beste Werbung für meine Komoot-Routen). Die Strecke ist super ausgeschildert, ein Verfahren kaum möglich und es gibt sogar separate Hinweisschilder, die einen immer in Richtung Vennbahn zurückführen. Daher waren wir nach Verlassen des Platzes auch relativ zügig wieder auf Strecke. Ein kurzes Stück sind wir einen Schotterweg gefahren, der sich an der Rur entlang schlängelte. Diesen Weg bin ich im Rahmen einer „Gipfelkreuze der Eifel“-Tour vorher schon zu Fuß gewandert. Er führt unterhalb des Ehrensteinsley entlang und gehört zu einer wirklich sehr empfehlenswerten Runde durch die Eifel (zu finden hier). Nachdem wir uns wieder auf dem Vennbahnweg befanden, überquerten wir mit quasi zwei, drei ordentlichen Pedalbewegungen erneut die deutsch-belgische Grenze – dieses Mal aber führte uns der Weg richtig in unser Nachbarland hinein. Wir hatten uns fest vorgenommen, kein Risiko bei der Streckenlänge einzugehen, denn Svens Knie hatte bei der Stromlos-Aktion des ersten Tages bereits stark gelitten und die zweite Etappe sollte nochmal knappe 30 km länger werden.


Dank der App Lade.station, mit der man nach – ja ganz genau - Ladestationen für E-Bikes suchen kann, planten wir einen Halt in Weywertz. Der Ort lag direkt an der Strecke und sollte wohl über die Möglichkeit von offen zugänglichen Ladevorrichtungen verfügen. Letzte Aktualisierung vor einem Jahr. Naja, eine Wahl hatten wir nicht wirklich.

Vorher begleiteten uns allerdings ein paar Exemplare einer anderen Attraktion entlang des Vennbahnweges – die Railbikes. Mit diesen Fahrrad-Schienen-Dingern kann man von Leykaul bis nach Sourbrodt fahren, pausiert dort kurz und nimmt den gleichen Weg wieder zurück. Bei gutem Wetter, wie wir es an diesem Tag hatten, sind die Railbikes sehr beliebt und waren wohl auch ausgebucht. Das Ganze machte den Anschein, als wäre es sowohl für Groß als auch für Klein ein Erlebnis. Im Schatten eines der vielen Bäume legten wir eine Pause ein und beobachteten die Vorbeifahrenden. Ich brauchte frische Kohlen für den Ofen – Schinken, Käse und Müsliriegel. Mit neuer Kraft ging es weiter in Richtung der eingeplanten Akku-Lade-Pause.


Wir überquerten also die Warche, einen kleinen Fluss in Ost-Belgien und machten kurz vor den Toren der kleinen Stadt Weywertz Halt, um den genauen Standort der Ladestation zu lokalisieren. Auf direktem Wege navigierten wir uns zu einem kleinen Dorfplatz. Hier war eine Bushalte-Stelle, die Kirche, eine Kneipe, viele Wohnhäuser – achja und glücklicherweise auch vier wirklich frei zugängliche Stationen, an denen jeweils drei Stromkabel hätten Platz finden können. Alle Daumen hoch.

Als nächstes Stand nun also „Zwangspause“ auf dem Plan. Eine Stunde haben wir unseren Akkus gegönnt, um möglichst sicher zu gehen, auch wirklich problemlos in Troisvierges anzukommen – so zumindest war es unser Vorhaben.



Was wir nicht bedacht hatten, war eine simple Matheaufgabe (Vorsicht Spoiler):

Etappe 1 = ca. 65 km -> Akku 3 km vor Ende leer. 
Etappe 2 = 90 km | nach 20 km „Nachtanken“, bleibt ein Rest von ca. 70 km 
-> Ihr wisst was kommen wird.

Naja, zum Zeitpunkt des Aufladens in Weywertz empfanden wir es als grandiosen Plan. Außerdem war es überhaupt die einzige Chance, möglichst weit mit Unterstützung zu kommen. Also erstmal alles gut. Ein bisschen ausgeruhter und mit frischen Kräften ging es weiter in Richtung Sankt Vith, um dort unsere Bestände an Nahrung aufzufüllen. Auf dem Weg dorthin machten wir die ersten 100 Kilometer voll. Angekommen in der kleinen Stadtgemeinde im Osten der Provinz Lüttich, schmissen wir die Suchmaschine an, fuhren zwei Lokalitäten an, nur um festzustellen, dass diese irgendwie nicht unseren Vorstellungen entsprachen. Wir trafen den Entschluss die Suche dort aufzugeben und lieber weiterzufahren – ein großer Discounter konnte direkt an der Strecke ausgemacht werden.


Nach einem kleinen Snack und einem wieder aufgefüllten Anhänger sollte es weitergehen. Vorerst jedoch mussten wir wieder zurück auf den Vennbahnweg. Dazu wollten wir allerdings nicht diesen unüberwindbar hohen Berg zurück hinauffahren, den wir vorher voller Wonne einfach hinabgerollt sind. Also ließen wir Svens Fahrrad-Navi übernehmen – was ein „Fehler“. Versteht mich nicht falsch, ich mag es auch mal von Plänen abzuweichen, spontan zu sein, unerwartet Neues zu entdecken – und die Wege, die uns das Navi fahren ließ waren auch echt schön – aber plötzlich bog Sven auf die Autobahn-Abfahrt ein. Ja. In die ABFAHRT. Also nicht nur mit dem Rad auf die Bahn, sondern auch noch in den Gegenverkehr. War echt lustig – also im Nachhinein. Wir haben ordentlich gelacht. Wahrscheinlich vor Erleichterung, weil wir es noch rechtzeitig erkannt haben und die richtige Richtung nehmen konnten. Es ging dann noch durch einen Tunnel hindurch, wo das Wasser und der Feldweg eine rutschige, matschige Masse gebildet hatten. Aber auch das überwanden wir bravourös. Nachdem wir durchgeschüttelt wieder auf geteerten Flächen ankamen, war die Umgebung der Strecke zwar wunderschön anzusehen, wir entfernten uns gefühlt allerdings immer weiter vom Vennbahnweg. Also Halt und nachsehen, wie es auf schnellsten Weg zurück auf die eigentliche Route ging. War zum Glück nicht allzu weit. An dieser Stelle wisst ihr nun, wieso wir etwas mehr Strecke gefahren sind, als eigentlich geplant war.



Genau dieser Umstand führte dann ca. 5 Kilometer vorm Campingplatz in Troisvierges wieder dazu, dass Svens Fahrrad-Akku „Tschau“ sagte. Glücklicherweise ging es, je näher wir dem Tagesziel kamen, überwiegend bergab. Dass wir aber erneut im Dunkeln ankommen und aufbauen würden, stand zu diesem Zeitpunkt außer Frage. Der Bahnhof von Troivierges begrüßte uns schön beleuchtet und der Blick, den wir von Oben hatten, war grandios. Ein Gefühl von Freude und Zufriedenheit legte sich über die Anstrengung – schließlich waren wir am Ziel – naja, am Halbzeit-Ziel. Die Vennbahn hatten wir jedoch in ihrer Gänze „bezwungen“.



Wir checkten ein, rollten auf den Zeltplatz und bauten gekonnt unser Nachtlager auf, um den Tag mit Gulaschsuppe und Fleischbällchen-Eintopf zu beenden. Geil.







Ein Fazit zur Etappe 2: Das. war. ein. langer. Tag. Und 90 Kilometer sind einfach 90 Kilometer. Egal ob mit dem E-Bike oder dem "normalen" Rad. Trotzdem - und das kann ich nur immer wiederholen - ein geiler, abenteuerlicher Tag. Lasst euch einfach auf die Begebenheiten ein.

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